Fingerabdruck statt Paßwort

Biometriemarkt

Biometrische Erkennungssysteme entwickeln sich zu einem guten Geschäft / Von Carsten Knop

FRANKFURT, 17. Februar. Wer kann sich schon alle Paßwörter Zahlenkombinationen merken, die die tägliche Nutzung des Internets mit sich bringt? Die Frage ist schon deshalb aktuell, weil einige Internetanbieter ihre Kunden derzeit dringend dazu auffordern, von reinen Buchstabenkombinationen bei der Paßworteinrichtung Abstand zu nehmen und sich neue Paßwörter anzulegen, die Buchstaben und Zahlen miteinander kombinieren. Wie einfach wäre es also, würden die Paßwörter über den persönlichen Fingerabdruck abrufbar sein, würden sogenannte biometrische Sicherheitsmerkmale im Massenmarkt Einzug halten.
Immerhin hat es den ersten AldiLaptop mit Fingerabdruckscanner schon gegeben. Wirklich auf dem Vormarsch ist die Biometrie bisher aber vor allem durch Entscheidungen von Staaten, neue Pässe mit entsprechenden Erkennungsmerkmalen auf Speicherchips auszustatten. Doch auch zur Zugangskontrolle in privaten Haushalten werden die Systeme nach Angaben der entsprechenden Hersteller inzwischen immer häufiger eingesetzt.
Nach der Ansicht von Marktforschern wird der Weltmarkt für biometrische Systeme im laufenden Jahr ein Volumen von 2,68 Milliarden Dollar erreichen und sich auch künftig durch hohes Wachstum auszeichnen. Schon 2008 ist ein Nahezu doppelt so hoher Umsatz mit diesen Systemen zu erwarten. In Deutschland steckte der Markt im Jahr 2004 mit einem Umsatz von 12 Millionen Euro noch in den Kinderschuhen. Nach der Ansicht

von Soreon Research wird diese Zahl aber bis zum Jahr 2009 auf 377 Millionen Euro steigen (siehe Graphik). „Das entspricht einem jährlichen Wachstum von gut 100 Prozent“, sagt Signot Keldorfer, Geschäftsführer der Ekey Biometric Systems GmbH mit Sitz im österreichischen Linz. Ekey verkauft ein Zugangssystem, das die Fingerkuppe abtastet. „Und die Hälfte unserer Kunden sind inzwischen Privatpersonen“, sagt Keldorfer. Das Unternehmen wurde 1999 zunächst als Tochtergesellschaft der Voestalpine gegründet und im Jahr 2002 vom Management übernommen, Inzwischen sieht sich Keldorfer mit Ekey in dem betreffenden Marktsegment als in Europa führendes Unternehmen – nachprüfbar ist das nicht, weil Keldorfer keine Umsatzzahlen nennen will.

So oder so ist der Markt noch recht fragmentiert, weshalb die Marktforscher der Agentur Frost & Sullivan davon ausgehen, daß es im Zuge des stürmischen Wachstums auch noch zu einer Reihe von Übernahmen von Unternehmen kommen wird. Einerseits werde es eine Konsolidierung innerhalb der Branche geben, andererseits würden Anbieter von bisher nicht in der Branche tätigen Unternehmen, die in den lukrativen Markt eintreten wollten, übernommen. Einen Beweis für diese Vermutung liefern zum Beispiel die jüngeren Ankündigungen des amerikanischen Unternehmens Viisage Technology, eines in Bellerica (Massachusetts) ansässigen Herstellers von Biometriesystemen. Viisage will sowohl den Konkurrenten Identix Inc., Minnetonka (Minnesota), übernehmen als auch den kleinen Anbieter von IrisErkennungssystemen Securimetrics. Für Identix werden 770 Millionen Dollar in Aktien gezahlt, für Securimetrics 28 Millionen Dollar in bar.
Nach den Worten von ViisageChef Robert Lapenta wird das mit Identix fusionierte Unternehmen unter neuem Namen am Markt auftreten und zunächst 220 Millionen Dollar Umsatz machen. Bis 2008 werde man voraussichtlich rund 75 Prozent des gesamten Biometriemarktes beherrschen, kündigte Lapenta selbstbewußt an. Viisage hat sich auf Systeme zur Gesichtserkennung sowie der Echtheitsprüfung von Dokumenten spezializiert. Der Hersteller ist einer der wichtigsten Lieferanten für Kriminalpolizeien verschiedener Staaten. Identix stellt Identifikationssysteme auf der Basis von Gesichtsmerkmale und Fingerabdrücken bereit. Einen großen Schub bekam die Biometrie im Oktober 2003, denn seither wird bei der Beantragung eines Visums für die Vereinigten Staaten ein Fingerabdruck verlangt. Wie groß die Rolle staatlicher Stellen beim Vormarsch biometrischer Systeme ist, zeigt sich auch an der Bestellung des ehemaligen CIADirektors George Tenet zum Verwaltungsratsmitglied von Viisage. Indes behauptet Frost & Sullivan, daß der Einsatz von Biometrie entgegen der Beteuerung öffentlicher Stellen gar nicht in erster Linie der Sicherheit, sondern der Einsparung von Sicherheitspersonal diene: „Biometrie wird eingesetzt werden, weil die Technik auch eine Möglichkeit zur Reduktion der Personalkosten ist.“

Die Biometrie
Die Biometrie beschäftigt sich mit der Vermessung quantitativer Merkmale von Lebewesen mit der Hilfe statischer Verfahren. Aus einzelnen oder einer Kombination von biometrischen Daten wird dann auf die Identität einer Person geschlossen. Die biometrischen Merkmale müssen zuerst als Referenzmuster in digitaler Form verschlüsselt abgespeichert werden. Beim nächsten Kontakt mit dem biometrischen System wird dann ein aktuelles Probemuster Aufgenommen und mit dem gespeicherten Referenzmuster verglichen.

Quelle :FAZ, den 18.02.2006

 

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